Ernst Strouhal, Michael Ehn
Im Laufe der Zeit
Im Laufe der Zeit
Skulptur und Schach (I): T+1×n (Burnout) von Matthias Kendler.
Der Kurzfilm Der Lauf der Dinge von Peter Fischli und David Weiss aus dem Jahr 1987 ist die bekannteste Arbeit des Schweizer Künstlerduos geblieben: Gezeigt wird eine fast 30-minütige Kettenreaktion – eine wunderbare, zweckfreie Sinnlos-Maschine, in der Dinge aufeinander einwirken und in Bewegung versetzt werden. Jede Schachpartie ist eine solche Maschine, ein zerebrales Ballett der Gedanken, die wir Zug um Zug mit interesselosem Wohlgefallen verfolgen.
Die Inszenierung von Bewegung ist Leitmotiv auch vieler Arbeiten des Wiener Künstlers Matthias Kendler. Der Absolvent der Akademie der bildenden Künste und Schüler unter anderem von Jakob Scheid an der Universität für angewandte Kunst Wien hat sich in den letzten Jahren mehrfach dem Thema Schach gewidmet. Entstanden sind ebenso elegante wie geheimnisvolle Objekte, unter anderem ein Schachspiel auf einer Glasplatte an der Wand, das durch Aufsetzen eines Magnetstabes bewegt werden kann, oder das Objekt „Sentomat“, eine Waschpulver-Schachtel, in der ein Schachkönig wie von Geisterhand bewegt langsam Linien durch das weiße Pulver zieht.
Die Inszenierung von Bewegung ist Leitmotiv auch vieler Arbeiten des Wiener Künstlers Matthias Kendler. Der Absolvent der Akademie der bildenden Künste und Schüler unter anderem von Jakob Scheid an der Universität für angewandte Kunst Wien hat sich in den letzten Jahren mehrfach dem Thema Schach gewidmet. Entstanden sind ebenso elegante wie geheimnisvolle Objekte, unter anderem ein Schachspiel auf einer Glasplatte an der Wand, das durch Aufsetzen eines Magnetstabes bewegt werden kann, oder das Objekt „Sentomat“, eine Waschpulver-Schachtel, in der ein Schachkönig wie von Geisterhand bewegt langsam Linien durch das weiße Pulver zieht.
In T+1×n (Burnout), 2020/2024, ticken zwölf Uhren, die an Schachuhren erinnern, unablässig, sich einander reihum abwechselnd. Den Impuls gibt der Fall des rote Fähnchens, wenn der Zeiger den Zenit erreicht. Im Schach ist das ein Schreckensmoment: Er signalisiert, wenn man zu lange nachgedacht hat, den Verlust der Partie. Deshalb (nicht wegen der Farbe) nennt man das Fähnchen auch Guillotine. Die zyklischen Uhrwerke erzeugen einen magischen selbstreferentiellen Effekt: Auch wenn wir wissen, was geschehen wird – das Fähnchen fällt, die nächste Uhr beginnt zu ticken und dann die nächste und die nächste –, so können wir doch unseren Blick vom Ablaufen der Zeit nicht abwenden: Die Welt versinkt, nichts verändert sich mehr im Lauf der Zeit – nur der Lauf der Zeit selbst.
Erschienen in DER STANDARD WOCHENENDE am 24./25. Jänner 2026 als Teil der wöchentlichen Schachkolumne von ruf & ehn
Erschienen in DER STANDARD WOCHENENDE am 24./25. Jänner 2026 als Teil der wöchentlichen Schachkolumne von ruf & ehn
© 2026 Matthias Kendler